Brillenfassungen sind der Teil einer Brille, der normalerweise als solche wahrgenommen werden. Also die Umrandungen und Vorrichtungen, die die Brillengläser festhalten und mit deren Hilfe die Brille im Gesicht und auf der Nase ihres Trägers fixiert wird. Zur Brillenfassung gehören nicht nur die das Glas umschließenden Halterungen, sondern auch die Brillenbügel, die Scharniere und die Nasenflügel, an denen die Brille auf der Nase aufsitzt. Ebenso zählen zur Brillenfassung alle Schrauben, gegebenenfalls Fäden und Klebeteile, die Fassung, Gestell und Gläser verbinden.
Marken & Hersteller
Brillen gibt es in den unterschiedlichsten Preiskategorien. Dabei unterscheiden sich nicht nur die Preise der Gläser ganz wesentlich, sondern auch die der Fassungen. Eine günstige Brillenfassung bekommt man beim Optiker schon für wenige Euro, während den Preisen nach oben nahezu keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Für eine hochwertige Brillenfassung der aktuellen und allgemein bekannten Trendmarken bezahlt man so schon gut und gerne zwischen 200 und 600 EUR. Die tatsächlichen Qualitätsunterschiede sind jedoch für den Brillenkenner auf den ersten Blick ersichtlich. Sehr häufig sind inzwischen die Namen der Hersteller sichtbar auf dem Brillengestell aufgedruckt, was die Brille einer bestimmten Marke zu einem begehrten Statussymbol machen kann.
Warum gibt es unterschiedliche Brillenfassungen?
Ganz einfach: Weil Brillenträger individuell sind und sich eine Fassung nach ihrem Geschmack aussuchen möchten. So gibt es sportliche, edle, schlichte oder auffällige Brillenfassungen. Aber auch in technischer Hinsicht unterscheiden sich die Fassungen. Manche Modelle werden speziell für randlose Brillen entwickelt, andere dagegen eignen sich besonders für spezielle Glasstärken. Eine Brillenfassung für ein besonders dickes Glas zum Beispiel muss gewisse Stabilitätskriterien erfüllen, da sonst das starke Glas nicht eingepasst werden kann.
Wie viele Brillenfassungen benötigt ein Brillenträger?
Im Normalfall genügt es, als Brillenträger ein einziges Brillengestell, also eine einzige Brille zu besitzen. Denn man kann nicht gut mehrere Brillen gleichzeitig tragen. Dennoch schätzen gerade Brillenträger, die ihre Brille permanent tragen, die Abwechslung. Sie investieren häufiger in eine neue Brillenfassung, um Stil und Farbe entsprechend ihrer Kleidung oder nach Laune variieren und abstimmen zu können.
Brillenträger sehen mehr
Und zwar auch im übertragenen Sinne. Da die Brillenfassung nun einmal mitten im Gesicht sitzt, ist sie jederzeit gut sichtbar und zieht – je nach Ausführung – mehr oder weniger Aufmerksamkeit auf sich. Studien belegen, dass Menschen, die selbst Brillenträger sind, automatischer aufmerksamer auf die Brillenfassungen ihrer Mitmenschen achten. Sie betrachten ihre Brillenfassung als ein individuelles Accessoire, mit dem sie ihren Stil und ihren Geschmack ausdrücken können. Dementsprechend kritisch betrachten sie auch die Brillen ihres Gegenübers und tendieren dazu, andere Menschen aufgrund der gewählten Brillenfassung zu kategorisieren. Wer sich mit der modischen Weiterentwicklung von Brillenfassungen beschäftigt, wird automatisch eine altmodische oder hochmoderne Brille an seinem Gesprächspartner wahrnehmen. Menschen, die selbst keine Brille benötigen, und sich deshalb mit dem Thema Brille nicht beschäftigen, entgeht diese feine Nuance oft.
Die klassische Nickelbrille
Wer sich einen Überblick über die bekanntesten Formen von Brillenfassungen verschaffen möchte, der kommt an der klassischen Nickelbrille nicht vorbei. Sie liegt zwar heute nicht mehr wirklich im Trend, zählt aber zu den Basismodellen, die nie vom Markt verschwinden und in regelmäßigen Abständen eine Renaissance erleben. Zuletzt aktuell war die Nickelbrille etwa Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Die Nickelbrille gilt als typisches Modell der Intellektuellen und der technisch interessierten vorwiegend männlichen Klientel. Ursprünglich bestand sie aus silberfarbenem Nickelmetall, heute kann sie auch aus anderen Metallen gefertigt werden, da ihr Gattungsbegriff eher die dünnrandige, metallfarbene Brille bezeichnet. In den Anfängen war die Glasfassung der Nickelbrille kreisrund und besaß eine Durchmesser von ca. 4 Zentimetern. Die Glasgröße variiert jeweils mit den modischen Stilrichtungen, die kreisrunde Form jedoch bleibt erhalten. In einigen wenigen Ausprägungen ist die Nickelbrille auch in der ebenfalls klassischen Panthoform zu sehen. Die Panthoform ist eine ebenfalls symmetrisch verlaufende Glasform, die jedoch in der oberen Kreishälfte breiter ausfällt als in der unteren, aber dennoch nicht spitz sondern sehr rund ausläuft. Die Panthoform ist der natürlichen Gesichtsform nachempfunden und kann deshalb von vielen Menschen gut getragen werden. Die Bügel der Nickelbrille laufen hinter dem Ohr ohne schützende Verdickung weiter und sind häufig sehr weit und rund ums Ohr gebogen, was der Brille einen guten Sitz verschafft.
Die Hornbrille
Ein mindestens ebenso großer Klassiker wie die Nickelbrille ist die Hornbrille. Sie besteht tatsächlich aus dem Werkstoff Horn, der bei sehr teuren Modellen in geschnitzter, bei günstigeren Modellen jedoch in pulverisierter und gepresster Form verarbeitet wird. Ursprünglich war die aus den 50er- und 60er Jahren stammende Hornbrille nur in hartem Schwarz zu erhalten, mittlerweile variieren die Farbtöne jedoch auf der Farbskala von Braun, Grau, Weiß und Schwarz. Auch Mischfarben und naturferne Farben sind sowohl im natürlichen Horn als auch in der künstlichen und künstlerischen Hornnachbildung zu finden. Das Image der Hornbrille gilt als wenig kleidsam, jedoch erlebt sie gerade als modischer Trend einen erneuten Höhenflug. Die so genannte Nerd-Brille (Nerd = Englisch für Streber) wird dabei bewusst mit übergroßen Gläsern geordert. Sie gilt als strenge Business-Brille und wird bevorzugt in kreativen Branchen getragen, sowohl von Damen als auch von Herren. Im Gegensatz zur momentanen Entwicklung war die Urform der Hornbrille nur eine wenig kleidsame Notwendigkeit, deren Träger häufig verspottet wurden.
Schmetterlingsbrille
Die Schmetterlingsbrille ist eine amerikanische Erfindung der späten 30er Jahre. Ihre Hochzeit erlebte sie in etwa in den 50er Jahren. Sie gilt als die erste richtig mondäne und schicke Variante eines Brillengestells nur für Damen. Erst mit dem Aufkommen der Schmetterlingsbrille begannen auch Damen, sich als Brillenträgerinnen schick zu fühlen und ihre Brillen nicht mehr zu verstecken. Bis zum Auftauchen der Schmetterlingsbrille war die Auswahl an Damenbrillen nämlich extrem begrenzt. Das Brillentragen war eine eher männerdominierte Angelegenheit. Nachdem in vielen amerikanischen Filmen die an den Außenseiten schräg nach oben gezogenen Brillenfassungen zu sehen waren, die in der Form und Symmetrie an Schmetterlingsflügel erinnern, wurden diese Fassungen auch in Deutschland nach und nach populär. Ihre Trägerinnen galten als extravagant und mondän und schmückten sich gerne auch mit auffälligen Modellen, die mit Glitzersteinen verziert und in grellen Farben gehalten waren. Im Prinzip kann die Schmetterlingsbrille als Vorläufer der modernen Brillenfassung mit Hang zur Individualität gewertet werden.
Die Kunststoffbrille
Als eine der mehr oder weniger gelungenen Erfindungen der 70er Jahre gilt die Kunststoffbrille. Ihr Gestell sah häufig aus, wie aus einem Guss gefertigt. Was natürlich täuscht, denn auch die Kunststoffbrille ist mit Bügelscharnieren versehen. Für die Herrenwelt wurden Kunststoffbrillen meist in dezenten Farben in Grautönen angeboten, während bei den Damenmodellen die Farben Lachs und Rose dominierten. Der Vorteil der Kunststoffbrille war seinerzeit das verminderte Gewicht, das sich beim Tragen positiv auswirkte. Bei den ersten Modellen waren die Nasenflügel noch in den Guss integriert, erst später wurden Nasenpads als Auflageflächen aus Silikon entwickelt, die mit dünnen Metallstäben an der Brillenfassung befestigt wurden. Bis heute liegen Kunststoffbrillen stark im Trend, allerdings werden sie heute vorwiegend in kräftigen und dominanten Farben angeboten. Den höchsten Absatz erzielen sie in der Signalfarbe Rot. Beide Varianten der Nasenhalterung sind im Angebot, als die bequemere Lösung gilt jedoch das Silikonpad.
Randlose Brille
Ein immerwährender Klassiker ist die randlose Brille. Bei ihr werden die Brillengläser nicht von einer Fassung gehalten, sondern mit sehr feinen Schräubchen an den Bügeln und am Nasensteg verschraubt. Die randlose Brille kommt also mit einem Minimum an Material aus. Interessant ist jedoch, dass gerade dieser Minimalismus eine extrem ausgefeilte Technik und sehr exakte Bohrungen verlangt, was die randlosen Gestelle mitunter zu den kostspieligsten Brillenvarianten überhaupt werden lässt. Randlose Brillen haben den Vorteil, dass sie das Gesichtsfeld nicht unterbrechen, die Gesichtszüge des Trägers oder der Trägerin also nicht verfälschen und deshalb optisch auch nicht als Fremdkörper in einem Gesicht wahrgenommen werden. Sie eignen sich deshalb ganz besonders gut für Menschen mit kleinen, zarten Gesichtern, die sich optisch von auffälligen Fassungen häufig erschlagen fühlen. Träger/innen randloser Brillen gelten allgemein als intellektuell und gebildet, ein Klischee, das sich im Lauf der Zeit herausgebildet hat und bei der Auswahl der Brille gerne heran gezogen wird.
Die Revolution: Titanbrille
Etwa in den 90er Jahren wurde die Titanbrille entwickelt. Der Werkstoff Titan zeichnet sich durch seine Verbiegbarkeit aus. Die Titanbrille wird deshalb sehr häufig als Sportbrille eingesetzt, da ihre Bügel sich fast beliebig verbiegen lassen und nicht leicht brechen. Titanbrillen bestehen meist aus sehr dünnem, häufig rundem Metall und bedienen sich gerne einer Regenbogenfarbskala. Auch für Kinder sind Titanbrillen sehr gut geeignet, jedoch werden hier stärkere Metalle verwendet.